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Der Fiskus profitiert mit

October 28 2011, 10:55 am

WALL STREET – 24TH JUNE 2011

Investoren fordern nur selten die Quellensteuer auf internationale Kapitalerträge zurück, Nutznießer sind die Steuerbehörden

Investoren fordern nur selten die Quellensteuer auf internationale Kapitalerträge zurück, Nutznießer sind die Steuerbehörden

Investoren schenken ihren Staaten eine Menge Geld: Im vergangenen Jahr verloren sie weltweit rund 17,4 Milliarden US-Dollar, weil sie in ihren Steuererklärungen die bereits bezahlte Quellensteuer auf Dividenden und Kapitalerträge im Ausland nicht zurückgefordert haben. Das zeigt eine Studie der Londoner Beratung Goal Group, die sich auch auf internationale Steuerfragen spezialisiert hat.”Erfahrene Investoren verfolgen zunehmend eine internationale Investmentstrategie, um ihre Wertpapiererträge aus Aktien und Anleihen zu maximieren”, sagt Stephen Everard, Vorstandschef der Goal Group. “Ein erheblicher Teil ihrer rechtmäßigen Ansprüche ist in Gefahr, in ausländischen Steuersystemen zu versanden, wenn der Rückerstattung der Quellensteuer nicht die nötige Aufmerksamkeit zugewandt wird.“

Everard empfiehlt Vermögensverwaltern und auch Finanzberatern, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken und Kunden auch in Sachen Quellensteuer und Rückerstattung bei internationalen Anlagen zu widmen. Denn laut Studie, für die die Goal Group Steuer- und Finanzdaten aus verschiedenen Quellen auswertete, verloren US-Investoren allein im vergangenen Jahr 3,16 Milliarden Dollar, weil sie die Steuer nicht zurückforderten. Britische Anleger ließen 1,65 Milliarden Dollar sausen, japanische indes 1,33 Milliarden Dollar. Deutsche Sparer schenken dem Fiskus immerhin noch 983 Millionen Dollar im Jahr.

Hintergrund für das wachsende Problem mit nicht zurückgeforderter Quellensteuer ist die Internationalisierung der Kapitalanlagen: Laut Internationalem Währungsfonds stieg die Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen weltweit zwischen 2001 und 2009 um 79 Prozent, gleichzeitig stieg der Wert grenzüberschreitender Wertpapier-Investitionen um 163 Prozent. Allerdings: Gewinne, die mit ausländischen Wertpapieren gemacht werden, müssen im Herkunftsland des Unternehmens oder des Anbieters versteuert werden. Ein Teil dieser Steuern kann aber von den Depotbanken im Namen ihrer Kunden zurückgefordert werden. Doch dies unterbleibt in vielen Fällen. Schon haben Spezialisten diesen markt als lukratives Beratungsfeld entdeckt und bieten Fondsgesellschaften, Banken oder auch Investoren an, sich gegen Provisionen um die Rückerstattung der Quellensteuer sowie auf die Optimierung von Steuerfragen im Depot zu kümmern.

Die Steuerbehörden können sich die Hände reiben: Das Problem wird weiter wachsen. Denn mit der Erholung der Börsenmärkte nach der Finanzkrise im vergangenen Jahr schütten Unternehmen wieder vermehrt Dividenden aus. „Mit anziehender Weltkonjunktur bescheinigen Unternehmen ihren Investoren dadurch, dass sie die Finanzkrise überstanden haben und sich 2011 im Aufschwung befinden”, erläutert Goal-Chef Everard. Folglich nehmen die Renditen in den Depots zu, auf die Quellensteuer verlangt wird. Außerdem wächst zurzeit das Volumen international verkaufter und gekaufter Anleihen weiter an.

Die Steuerbehörden können jedoch sicher sein, dass ein großer Teil der zu viel gezahlten Quellensteuern nicht zurückgefordert wird. Im vergangenen Jahr wurden ein Viertel der Zahlungen nicht zurückerstattet qerden. „Die Quellensteuerrückerstattung ist eine hochkomplexe Aufgabe, bei der unterschiedliche Daten, Formate und Verfahren der verschiedenen länderspezifischen Gerichtsbarkeiten berücksichtigt werden müssen”, erklärt Everard, “Allerdings ist die Technologie, die diesen komplizierten Prozess automatisch durchführt, heutzutage weitgehend verfügbar. Fondsmanager und Depotbanken haben deshalb keine Ausreden mehr, diese technologiebasierten Services nicht im Sinne ihrer Kunden einzusetzen.” Die Frage ist also, wie Kunden und ihre Vertreter, die Berater, mit den Fondsgesellschaften und Banken in Steuerfragen verhandeln.


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