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Anleger verschenken Milliarden

June 22 2011, 3:46 pm

Anleger verschenken jedes Jahr Milliarden an den Staat, weil sie sich bei Investitionen im Ausland die doppelt bezahlte Quellensteuer nicht zurückholen. Der Grund: Es ist einfach zu kompliziert.

Düsseldorf – Bei der Rendite schauen Anleger oft auf jeden Cent – da ist es verwunderlich, dass sie vergangenes Jahr 12,24 Milliarden Euro verschwendet haben. So viel, besagt eine neue Studie des Finanzdienstleisters Goal Group, hätten Anleger sich an Quellensteuer rückerstatten lassen können – haben es aber versäumt. Das ist ein Viertel der kompletten Summe, die die Finanzämter an Quellensteuer insgesamt schuldig waren.

Warum sind die Anleger so nachlässig? Wird auch nur ein halbes Prozent mehr Zinsen versprochen, schichten sie schon mal um, und Dividenden fordern Investoren immer aggressiver ein. Doch bei der Quellensteuer lassen sie sich bereits verdiente Rendite entgehen.

Die Quellensteuer wird, wie der Name schon besagt, an der Quelle der Einkünfte abgezogen und an das Finanzamt überwiesen. Eine Art der Quellensteuer ist die Lohnsteuer, die direkt beim Arbeitgeber abgezogen wird. Außerdem zählt auch die Kapitalertragssteuer dazu, und diese ist für Investoren in ausländischen Anlagen besonders relevant. Auch die Abgeltungssteuer, die in Deutschland 25 Prozent beträgt, gehört zu den Quellensteuern. Kursgewinne, Zinsen und Dividenden werden dadurch oft doppelt besteuert. Doch wenn ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht, können Anleger einiges wieder zurückfordern.

Die Frage ist nur, wie das funktioniert. Manche Kunden müssen sich um nichts kümmern, denn die Depotbank erledigt die Rückerstattung. Allerdings bieten nicht alle Depotbanken diesen Service an, und selbst dort ist er meist Großkunden vorbehalten, die hohe Summen investieren und dadurch auch einiges an Gebühren zahlen – erst dann lohnt es sich für die Depotbank.

Für Privatpersonen und ganz ohne Hilfe der Depotbank sei es fast nicht machbar, diese Steuern selbst zurückzufordern, sagt Stephen Everard, Chef der Goal Group: „Die normale Steuererklärung ist schwer genug. Bei grenzüberschreitenden Anlagen haben Investoren es sogar mit mehreren Steuerbehörden zu tun, mit einer fremden Gesetzgebung in einer fremden Sprache.“ Wer die Rückforderung selbst in die Hand nehmen will, muss sich auf das Abenteuer einer langen Recherche einlassen: Auf der Internetseite der Vereinten Nationen sind die Abkommen zwischen verschiedenen Ländern zu finden, allerdings meist in fremder Sprache.

Die Münchner DAB Bank zum Beispiel bietet selbst einen Service an, der die Rückerstattung regelt – allerdings auf einige Länder beschränkt. Andere Banken und Fonds nutzen den Dienst einer unabhängigen Firma, die sich genau darauf spezialisiert hat. Davon gibt es laut Angaben der Goal Group weltweit nur drei bis vier. Allerdings könnte es in diesem Bereich noch genug Kundschaft für mehr geben.

Nicht nur Privatanleger sondern auch institutionelle Investoren vernachlässigen das Thema. Gerade für Hedge-Fonds war das Eintreiben der Quellensteuerrückerstattung in der Vergangenheit kaum ein Thema. Traditionell seien diese Fonds in Steueroasen wie den Cayman Islands ansässig gewesen, wo Anleger kaum Steuern bezahlen und so auch bei der Rückerstattung wenig zu holen ist, sagt Everard. In letzter Zeit ändere sich die geographische Verteilung der Hedge-Fonds. „Investment- und Hedge-Fonds fordern nur selten diese Steuern wieder ein, und auch Pensionsfonds könnten da noch viel herausholen“, sagt Everard. Für die Performance der Fonds wäre das ein wertvoller Gewinn.


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