Deutsche Pensionsfonds wollen sich 31 Millionen Euro zurückholen
November 12 2010, 3:42 pmDie Verluste, die Pensionsfonds in ganz Nordeuropa im Jahr 2008 gemacht haben, waren laut Goal Group so hoch, dass bisher nur ein Bruchteil zurückerlangt wurde. Es werde einige Jahre dauern, bis eine Lösung oder Einigung zustande kommt. Laut einer Studie der Nera Consulting waren Ende 2009 mehr als vier Fünftel aller Fälle, die mit der Finanzmarktkrise zusammenhängen, noch nicht geklärt. Außerdem stiegen der Studie zufolge bei Fällen, zu denen 2008 und 2009 Klage eingereicht wurde, die mittleren Anlegerverluste um zwei Fünftel im Vergleich zum Vorjahr – insgesamt auf mehr als 500 Millionen Dollar.
So rechnet die Goal Group damit, dass sich sowohl die Zahl als auch der Umfang der Einigungen erhöhen wird. „Während der Druck, der durch den Konjunkturabschwung auf die Pensionsfonds ausgeübt wurde, scheinbar abnimmt, herrscht bei institutionellen Investoren und Fondmanagern dennoch die drückende Sorgfaltspflicht, jetzt handeln zu müssen“, schreiben die Analysten. Nur dann könnten ihnen die erheblichen Verluste, die sie auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise erlitten haben, erstattet werden.
Dass deutsche Investoren sehr gewillt seien, Verluste in den USA einzuklagen, führen die Experten der Goal Group auch darauf zurück, dass es in den USA kostengünstiger sei als in Deutschland, gerichtliche Schritte einzuleiten. In den USA würden nur dann Gebühren fällig, wenn eine Klage erfolgreich ist, während in Deutschland das finanzielle Risiko ein weitaus größeres sei, da die Kosten schon vor den Verhandlungen ausgelegt werden müssen. Das, so die Goal Group, erkläre die Unmenge an Klagen, so wie die der deutschen Activest Investmentgesellschaft, die Hauptklägerin im Prozess gegen General Motors sein will. Die Gesellschaft hat erklärt, dass Falschaussagen gemacht wurden, um Investoren über die finanzielle Lage des Unternehmens zu täuschen. Ein weiterer Fall betrifft die in Frankfurt ansässige Union Investment, die laut Goal Group als Hauptklägerin im Prozess gegen den US-amerikanischen Computerhersteller Dell fungiert.
Stephen Everard, Geschäftsführer der Goal Group, betont: “Sammelklagen müssen schon deswegen eingereicht werden, um Verpflichtungen im Rahmen der Corporate Governance nachzukommen.“ Während im Jahr 2010 weiterhin hauptsächlich Fälle, die durch die Kreditkrise ausgelöst wurden, vor Gericht gebracht werden, würden in Zukunft wohl Beschuldigungen zu Schneeballsystemen und Standardwertpapierprozesse die Mehrheit darstellen. Fondsmanager sollten deshalb jetzt Klagen einreichen und sich an Sammelklagen beteiligen, wenn sie noch an den wohl umfangreichsten Entschädigungen der nächsten Jahre teilhaben wollen, rät Everard.

